Nitril wird vor allem dort eingesetzt, wo zuverlässiger Schutz gefragt ist, etwa bei medizinischen Einmalhandschuhen und Arbeitsschutzhandschuhen. Doch bevor daraus ein fertiger Handschuh entsteht, durchläuft der Rohstoff mehrere petrochemische Produktionsstufen.
Aus fossilen Rohstoffen entstehen über Zwischenprodukte wie Naphtha, Butadien und Acrylnitril schließlich Nitril-Butadien-Kautschuk, kurz NBR.
Für die Versorgungssicherheit ist deshalb nicht nur entscheidend, wo ein Handschuh produziert wird. Auch die Herkunft seiner Rohstoffe und Vorprodukte spielt eine wichtige Rolle.
Das Wichtigste kurz erklärt
Nitril-Butadien-Kautschuk, kurz NBR, wird aus Butadien und Acrylnitril hergestellt. Beide Stoffe entstehen über mehrere petrochemische Produktionsstufen aus fossilen Rohstoffen.
Wo diese Rohstoffe und Vorprodukte hergestellt werden, beeinflusst Transportwege, Abhängigkeiten und damit die Stabilität der Lieferkette.
Für Nitril-Einmalhandschuhe kann eine regionale Rohstoffbeschaffung deshalb einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Nitril?
- Wie wird Nitril hergestellt?
- Vom Rohöl zu Butadien und Acrylnitril
- Wo werden die Vorprodukte für Nitril hergestellt?
- Warum die Rohstoffherkunft für Einmalhandschuhe relevant ist
- 2026 zeigt, wie schnell Rohstoffketten unter Druck geraten können
- Vorteile einer europäischen Lieferkette
- Deutsche Produktion und europäische Wertschöpfung
- Was bedeutet das für die Beschaffung von Nitril-Einmalhandschuhen?
- Fazit: Versorgungssicherheit beginnt beim Rohstoff
- Häufige Fragen zur Nitril-Herstellung
Was ist Nitril?
Nitril ist ein synthetischer Kautschuk. Bei Nitril-Einmalhandschuhen handelt es sich genauer um Nitril-Butadien-Kautschuk (NBR), der aus den beiden Grundbausteinen Acrylnitril und Butadien hergestellt wird.
NBR zeichnet sich insbesondere durch seine mechanische Belastbarkeit sowie seine Beständigkeit gegenüber zahlreichen Ölen und Chemikalien aus. Diese Eigenschaften machen das Material für unterschiedliche Anwendungen interessant, von technischen Dichtungen und Schläuchen bis hin zu Schutz- und Einmalhandschuhen.
Für die Herstellung von Einmalhandschuhen wird NBR in flüssiger Form verarbeitet. So lässt sich eine dünne und gleichzeitig widerstandsfähige Materialschicht herstellen.
Bis aus den ursprünglichen Rohstoffen Nitril entsteht, sind also mehrere Produktionsschritte notwendig.
Wie wird Nitril hergestellt?
Nitril-Butadien-Kautschuk (NBR) wird durch die Polymerisation von Butadien und Acrylnitril hergestellt. Die beiden Ausgangsstoffe entstehen über mehrere vorgelagerte petrochemische Produktionsschritte aus fossilen Rohstoffen.
Die industrielle Geschichte des Nitrilkautschuks reicht bis in die 1930er-Jahre zurück. Seitdem wurden Produktionsanlagen, Verfahren und Rezepturen erheblich weiterentwickelt und auf großindustrielle Maßstäbe optimiert. Das chemische Grundprinzip ist jedoch bis heute ähnlich geblieben und basiert weiterhin auf den beiden Ausgangsstoffen Butadien und Acrylnitril.
Der Weg zum fertigen Nitril lässt sich vereinfacht so darstellen:
Fossile Rohstoffe → Naphtha → Steamcracking → Butadien und Propylen → Acrylnitril → NBR → Nitril-Einmalhandschuh
(Die Darstellung ist vereinfacht, da petrochemische Rohstoffe und Zwischenprodukte über unterschiedliche Herstellungswege entstehen können.)
Vom Rohöl zu Butadien und Acrylnitril
Am Anfang der petrochemischen Wertschöpfungskette steht Rohöl. In Raffinerien wird es durch Destillation und weitere Verarbeitungsschritte in verschiedene Bestandteile und Produkte aufgetrennt. Eine davon ist Naphtha, auf Deutsch häufig als Rohbenzin bezeichnet.
Naphtha ist ein wichtiger Einsatzstoff für die petrochemische Industrie. In sogenannten Steamcrackern (petrochemische Spaltanlagen) wird es bei hohen Temperaturen unter Zugabe von Wasserdampf in kleinere Moleküle aufgespalten. Dabei entsteht nicht nur ein einzelner Stoff, sondern ein Gemisch verschiedener petrochemischer Grundprodukte.
Für die Nitril-Herstellung sind ab diesem Punkt zwei Wege relevant. Der eine führt zu Butadien, der andere über Propylen zu Acrylnitril.
Wie entsteht Butadien?
Butadien kann unter anderem aus C4-Kohlenwasserstoffen gewonnen werden, die beim Steamcracken von Naphtha entstehen. Anschließend wird das Butadien durch Extraktions- und Trennverfahren aus dem Stoffgemisch abgetrennt und gereinigt.
Butadien ist ein wichtiger Grundstoff der chemischen Industrie. Es wird neben NBR auch für andere synthetische Kautschuke und Kunststoffe benötigt.
Die Verfügbarkeit von Butadien hängt deshalb nicht allein von der Nachfrage nach Nitril ab. Veränderungen in Raffinerien, Steamcrackern oder anderen großen Absatzmärkten können sich ebenfalls auf Angebot und Preis auswirken.
Wie entsteht Acrylnitril?
Acrylnitril wird industriell überwiegend durch die Ammoxidation von Propylen hergestellt. Dabei reagiert Propylen mit Ammoniak und Sauerstoff beziehungsweise Luft unter Einsatz eines Katalysators.
Acrylnitril ist neben Butadien der zweite wesentliche Baustein von NBR. Ausgangspunkt für seine Herstellung ist Propylen, ein bedeutender petrochemischer Grundstoff, der unter anderem beim Steamcracken entstehen kann.
Als wichtiges Zwischenprodukt der chemischen Industrie wird Acrylnitril nicht nur für die Herstellung von Nitrilkautschuk, sondern beispielsweise auch für bestimmte Kunststoffe und Fasern eingesetzt.
Wie wird aus Butadien und Acrylnitril NBR?
Nitril-Butadien-Kautschuk (NBR) entsteht durch die Polymerisation von Butadien und Acrylnitril. Dabei werden die beiden Ausgangsstoffe zu langen Molekülketten verbunden und bilden einen synthetischen Kautschuk. Dieser wird später für die Herstellung der Nitril-Einmalhandschuhe verwendet wird.
Damit ist der Weg vom ursprünglichen Rohstoff bis zum fertigen Handschuh deutlich länger, als es das Endprodukt vermuten lässt.
Wo werden die Vorprodukte für Nitril hergestellt?
Die Vorprodukte für Nitril werden an großen Chemie- und Raffineriestandorten weltweit hergestellt. Bedeutende Produktionskapazitäten befinden sich sowohl in Asien als auch in Europa.
In Asien fließen viele dieser chemischen Grundstoffe direkt in die dortige Weiterverarbeitung, etwa in die Produktion von Nitril und anderen Industrieprodukten. Dadurch können Verfügbarkeit und Exportmengen bei hoher regionaler Nachfrage oder Störungen schwanken.
Auch Europa verfügt über eigene Produktionskapazitäten für wichtige Vorprodukte wie Butadien und Acrylnitril. Für europäische Abnehmer kann der Bezug aus solchen regionalen Strukturen deshalb ein wichtiger Baustein sein, um Abhängigkeiten von asiatischen Lieferketten zu reduzieren und die Versorgungssicherheit zu stärken.
Warum ist die Rohstoffherkunft für Einmalhandschuhe relevant?
Die Herkunft der Rohstoffe beeinflusst Transportwege, geografische Abhängigkeiten und damit die Stabilität der Lieferkette. Je stärker Rohstoffe und Vorprodukte von einzelnen Regionen oder kritischen Handelsrouten abhängen, desto größer können die Versorgungsrisiken bei Störungen sein.
Wenn Rohstoffe und Zwischenprodukte zuvor über mehrere Kontinente transportiert wurden oder von einzelnen kritischen Handelsrouten abhängen, bleiben erhebliche Risiken bestehen, wie z.B.:
- geopolitische Konflikte
- eingeschränkte Seewege und Häfen
- fehlende Verfügbarkeit petrochemischer Vorprodukte
- stark schwankende Energie- und Rohstoffpreise
- Produktionsausfälle in Raffinerien und Chemieanlagen
- lange Transportzeiten
- Engpässe bei Schiffs- und Containerkapazitäten
Besonders relevant wird dies, wenn mehrere Produktionsstufen geografisch ähnlich konzentriert sind.
Mehrere Lieferanten allein machen eine Lieferkette noch nicht resilienter. Wirklich entscheidend ist, ob auch Rohstoffe, Produktionsstandorte und Transportwege ausreichend breit aufgestellt sind.
2026 zeigt, wie schnell Rohstoffketten unter Druck geraten können
Wie relevant diese Abhängigkeiten sind, zeigte sich 2026 erneut sehr deutlich.
Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten beeinträchtigte zeitweise den Verkehr durch die Straße von Hormus. Für die asiatische Petrochemie war dies besonders relevant, weil ein erheblicher Teil der dort benötigten Naphtha-Importe aus dem Mittleren Osten stammt.
Die Folgen zeigten sich in der gesamten Wertschöpfungskette. Naphtha wurde knapper und teurer, einige Steamcracker reduzierten ihre Produktion und auch die Verfügbarkeit von Propylen und Butadien geriet unter Druck.
Für die Nitril-Herstellung ist das besonders relevant, da diese Grundstoffe am Anfang der Produktionskette stehen. Störungen bei den Rohstoffen können sich dadurch bis auf die Verfügbarkeit fertiger Nitril-Einmalhandschuhe auswirken.
Eine europäisch ausgerichtete Beschaffung kann globale Risiken zwar nicht zu 100% ausschließen. Kürzere Lieferwege, regionale Rohstoffquellen und weniger Abhängigkeit von kritischen Handelsrouten machen die Lieferkette jedoch deutlich stabiler und besser planbar.
Vorteile einer europäischen Lieferkette
Eine europäisch ausgerichtete Lieferkette bietet vor allem folgende Vorteile:
- Kürzere Transportwege und weniger Abhängigkeit von langen Seerouten
- Geringere geografische Abhängigkeiten von einzelnen Weltregionen
- Mehr Transparenz über Herkunft und vorgelagerte Produktionsschritte
- Schnellere Reaktionsmöglichkeiten bei Veränderungen von Nachfrage und Verfügbarkeit
Gerade bei kritischen Produkten wie Einmalhandschuhen können diese Faktoren die Lieferkette stabiler und besser planbar machen. Regionale Rohstoffquellen ersetzen globale Lieferketten dabei nicht vollständig, schaffen aber zusätzliche Sicherheit und reduzieren Abhängigkeiten.
Deutsche Produktion und europäische Wertschöpfung
Bei BISON Polymers setzen wir für die Produktion unserer Nitril-Einmalhandschuhe in Deutschland bewusst auf europäische Rohstoffquellen. Dadurch entstehen kürzere Lieferwege, weniger Abhängigkeit von außereuropäischen Handelsrouten und mehr Transparenz entlang der Lieferkette. Für unsere Kunden bedeutet das vor allem mehr Planungssicherheit und eine stabilere Versorgung mit Nitril-Einmalhandschuhen.
Was bedeutet das für die Beschaffung von Nitril-Einmalhandschuhen?
Bei der Beschaffung von Nitril-Einmalhandschuhen sollten neben Preis und Produktionsstandort auch die Herkunft der Rohstoffe, Transportwege und vorgelagerten Produktionsstufen berücksichtigt werden. Eine transparente und geografisch diversifizierte Lieferkette kann dazu beitragen, Versorgungsrisiken zu reduzieren.
Für strategische Beschaffungsentscheidungen lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf die gesamte Lieferkette. Dabei helfen konkrete Fragen, mit denen sich mögliche Abhängigkeiten und Versorgungsrisiken besser einschätzen lassen.
Relevante Fragen sind beispielsweise:
- Wo wird der fertige Handschuh produziert?
- Wo wird das dafür benötigte NBR hergestellt?
- Woher stammen Acrylnitril und Butadien?
- Wie lang sind die Transportwege zwischen den Produktionsstufen?
- Welche Seewege und Logistikknoten sind für die Versorgung notwendig?
- Sind alternative Rohstoff- oder Produktionsquellen vorhanden?
- Wie transparent kann der Lieferant seine vorgelagerte Lieferkette darstellen?
Fazit: Versorgungssicherheit beginnt beim Rohstoff
Ein Nitril-Einmalhandschuh wirkt wie ein vergleichsweise einfaches Verbrauchsprodukt. Seine Herstellung basiert jedoch auf einer komplexen petrochemischen Wertschöpfungskette.
Aus fossilen Ausgangsstoffen entstehen über Raffinerie- und Crackerprozesse unter anderem Naphtha, Propylen und Butadien. Aus Propylen wird Acrylnitril hergestellt. Butadien und Acrylnitril bilden schließlich die chemische Grundlage für NBR, aus dem wiederum Nitril-Einmalhandschuhe produziert werden können.
Jede dieser Stufen ist Teil der Lieferkette und kann die Verfügbarkeit des Endprodukts beeinflussen.
Die Ereignisse des Jahres 2026 rund um die Straße von Hormus zeigen, wie schnell Störungen bei Energie- und Rohstoffströmen auf die petrochemische Industrie übergreifen können.
Für Beschaffungsverantwortliche folgt daraus eine zentrale Erkenntnis: Wer die Versorgungssicherheit von Nitril-Einmalhandschuhen beurteilen möchte, muss weiter zurückblicken als bis zum Standort der Handschuhfabrik.
Europäische Rohstoffquellen, regionale Produktionsstrukturen und kürzere Transportwege können globale Risiken nicht vollständig beseitigen. Sie können aber dazu beitragen, Abhängigkeiten zu reduzieren, Lieferketten transparenter zu machen und zusätzliche Versorgungsoptionen aufzubauen.
Autor
Andreas Zimmer
Social Media & Content Creator bei BISON Polymers
Häufige Fragen zur Nitril-Herstellung
Woraus wird Nitril hergestellt?
Nitril-Butadien-Kautschuk, kurz NBR, wird aus den beiden Monomeren Butadien und Acrylnitril hergestellt. Beide Stoffe stammen in der konventionellen petrochemischen Wertschöpfungskette aus vorgelagerten chemischen Prozessen.
Wie wird Nitril hergestellt?
Für NBR werden Butadien und Acrylnitril polymerisiert und zu einem synthetischen Kautschuk verbunden. Für Einmalhandschuhe wird typischerweise eine NBR-Latexdispersion eingesetzt, aus der anschließend der dünne Handschuhfilm hergestellt wird.
Wie wird Butadien hergestellt?
Butadien kann unter anderem aus C4-Stoffströmen gewonnen werden, die beim Steamcracken von Naphtha entstehen. Das Butadien wird anschließend durch Extraktions- und Trennverfahren aus dem C4-Gemisch abgetrennt und gereinigt.
Wie wird Acrylnitril hergestellt?
Acrylnitril wird industriell überwiegend durch die sogenannte Ammoxidation hergestellt. Dabei reagieren Propylen, Ammoniak und Sauerstoff beziehungsweise Luft unter Einsatz eines Katalysators miteinander.
Warum ist die Herkunft der Rohstoffe bei Nitril-Einmalhandschuhen wichtig?
Die Herkunft der Rohstoffe beeinflusst Transportwege, Abhängigkeiten von einzelnen Regionen und damit die Stabilität der Lieferkette. Störungen bei Naphtha, Butadien, Propylen oder Acrylnitril können sich über mehrere Produktionsschritte bis auf die Verfügbarkeit von Nitril auswirken.
Welche Vorteile hat eine europäische Lieferkette?
Eine stärker europäisch ausgerichtete Lieferkette kann Transportwege verkürzen, Abhängigkeiten von einzelnen Regionen reduzieren und für mehr Transparenz sorgen. Gerade bei kritischen Produkten kann das die Versorgung sicherer und besser planbar machen.
Werden Nitril-Einmalhandschuhe in Deutschland hergestellt?
Ja. BISON Polymers produziert Nitril-Einmalhandschuhe in Deutschland. Durch die Kombination mit europäischen Rohstoffquellen wird ein wesentlicher Teil der Wertschöpfungs- und Lieferkette innerhalb Europas abgebildet.
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